Bern-Thun-Spiez
Wer früher von Bern über Thun nach Spiez gereist ist, hat die Pferdekutsche, ein Ruder- oder Segelschiff und mehrere Stunden benötigt. Heute braucht der RE Lötschberger gerade mal 30 Minuten und fährt mit 160 Stundenkilometern durchs Aaretal. Dazwischen liegen über 150 Jahre und eine rasante Entwicklung.
Vor über 150 Jahren verkehrten zwischen Bern und Thun Pferdepostkutschen
Rund drei Stunden dauerte die holprige Fahrt. Und wenn das Ziel im Berner Oberland lag, mussten die Reisenden in Thun seit 1842 auf ein Dampfschiff umsteigen. Dank der Schweizerischen Centralbahn SCB rückte das Oberland näher.
Komfortabler und schneller zum Tor des Berner Oberlands
Lange politische Diskussionen waren vorausgegangen. Doch am 1. Juli 1859, also vor genau 150 Jahren, eröffnete die Schweizerische Centralbahn SCB die Strecke von Bern-Wylerfeld nach Thun-Scherzligen. Fast dreissig Jahre lang war diese Strecke eine reine Stichbahn, also eine Bahn, die in Thun endete. Die Reisenden mussten in Scherzlingen auf die Schiffe der Dampfschifffahrtsgesellschaft umsteigen. Dies änderte sich 1893: Die Thunerseebahn TSB nahm auf der Strecke zwischen Scherzligen und Därligen ihren Betrieb auf. Fortan stand den Reisenden Richtung Oberland mit dem Dampfzug ein viel angenehmeres und schnelleres Transportmittel zur Verfügung.
Ausgangspunkt der Linie: Bern
Die Schweizerische Centralbahn SCB zählte zu den wichtigen Schweizer Eisenbahngesellschaften. Sie baute die Strecken von Basel über den Eisenbahnknotenpunkt Olten nach Luzern, nach Biel und nach Aarau. Von Herzogenbuchsee her kommend erreichte die Strecke am 16. Juni 1857 den vorläufigen Endpunkt der Linie im Berner Wylerfeld. Erst ein Jahr später erreichte sie über die damals berühmte «Rote Brücke» den definitiven Endpunkt bei der Heiliggeistkirche in Bern.
Bahnen und Schiffsbetriebe im Oberland fusionieren
Die Thunerseebahn fusionierte 1912 mit der Dampfschifffahrtsgesellschaft. Diese beiden sowie die schon 1907 zur BLS gestossene Spiez–Frutigen-Bahn SFB und gingen am 1. Januar 1913 in der Bern–Lötschberg–Simplon-Bahn BLS auf. Im gleichen Jahr eröffnete die BLS die vorerst einspurige Strecke von Frutigen nach Brig durch den neuen Lötschbergtunnel.
National, doppelspurig und unter Strom von Bern ins Oberland
Die Ära der Schweizerischen Centralbahn endete 1902: Zusammen mit anderen Privatbahnen ging sie in den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) auf. Von 1912 bis 1921 baute die SBB ihre Strecke von Bern nach Thun doppelspurig aus. Die Berner Alpenbahngesellschaft Bern–Lötschberg–Simplon ihrerseits baute 1914 die Strecke von Thun-Scherzligen nach Spiez doppelspurig aus und elektrifizierte sie. Seit 1913 fuhren direkte Schnellzüge von Bern nach Brig, und die Reisenden konnten im Speisewagen auf der Bergstrecke dinieren. Zwischen 1918 und 1919 elektrifizierte die SBB – als eine ihrer ersten Strecken – die Linie Bern–Thun. Dabei setzten sie auf das von der Lötschbergbahn für die Bergstrecke erfolgreich eingesetzte Stromsystem von 15kV, 16 2/3 Hz.
Von Bern nach Spiez: Zahlen und Fakten
Schwellenhöhe Bern 540 m u. M.
Schwellenhöhe Münsingen 531 m u. M.
Schwellenhöhe Thun 560 m u. M.
Schwellenhöhe Spiez 628 m ü. M.
Streckenlänge 31,22 Km
Bahnhöfe Bern, Münsingen, Thun, Spiez
Anzahl Brücken 2
Anzahl Tunnels 0 Streckeneröffnung Bern Wylerfeld–Thun Scherzligen 1. Juli 1859
Streckeneröffnung Thun Scherzligen–Spiez (–Därligen) 1. Juni 1893
Elektrifizierung Thun Scherzligen–Spiez 1915
Elektrifizierung Bern–Thun Scherzligen 1918–1919
Reisezeit Bern–Thun 1900 55 Min
Max. Reisegeschwindigkeit im Aaretal 160 km/h
Maximale Steigung Bern–Thun 11 o/oo
Maximale Steigung Thun–Spiez 15 o/oo